Ingwertee: Wirkung & Forschung

Ingwertee: Wirkung & Forschung

Ingwertee zählt zu den bekanntesten Hausmitteln. Bei Erkältung, Übelkeit, Verdauungsproblemen oder einfach als wärmendes Alltagsgetränk landet die scharfe Knolle regelmäßig in der Tasse. Doch was steckt hinter der Wirkung, und was davon ist wissenschaftlich belegt?

In diesem Artikel schauen wir uns die Wirkstoffe von Ingwertee genau an, ordnen die Studienlage ehrlich ein und erklären, wie du Ingwertee am besten zubereitest, wann er sinnvoll ist und wann du vorsichtig sein solltest.


Gingerol
Hauptwirkstoff in frischem Ingwer, verantwortlich für Schärfe und Wirkung
bis 4 g
Ingwer täglich gelten laut EMA als unbedenklich für Erwachsene
gut belegt
Wirkung gegen Übelkeit, besonders in der Schwangerschaft und bei Reisekrankheit
variabel
Wirkstoffgehalt je nach Zubereitung: frisch schlägt Teebeutel deutlich
Frischer Ingwer aufgeschnitten und dampfender Ingwertee auf Holzbrett
Frischer Ingwer enthält deutlich mehr Wirkstoffe als getrocknete Teebeutel. Die Zubereitung entscheidet über den Wirkstoffgehalt.

Was macht Ingwertee so besonders? Die Wirkstoffe im Überblick

Die Wurzel von Zingiber officinale enthält eine Vielzahl bioaktiver Verbindungen. Entscheidend für die meisten untersuchten Wirkungen sind vor allem zwei Stoffgruppen: Gingerole und Shogaole.

Gingerole und Shogaole

Gingerole sind die wichtigsten Wirkstoffe in frischem Ingwer. Sie sind verantwortlich für die charakteristische Schärfe und stehen im Mittelpunkt der meisten Ingwer-Studien. Beim Trocknen oder Erhitzen wandeln sich Gingerole teilweise in Shogaole um, die eine noch stärkere antioxidative und entzündungshemmende Wirkung aufweisen können. Daneben enthält Ingwer weitere Verbindungen wie Paradole, Zingerone und ätherische Öle.

Wirkstoff Vorkommen Haupteigenschaft
Gingerole (6-, 8-, 10-Gingerol) Frischer Ingwer Antiemetisch, entzündungshemmend, antioxidativ
Shogaole Getrockneter, erhitzter Ingwer Stärker antioxidativ als Gingerole, entzündungshemmend
Zingerone Erhitzter Ingwer Antioxidativ, milder als Gingerol
Ätherische Öle (Zingiberen) Frischer und getrockneter Ingwer Verdauungsfördernd, antimikrobiell

Frischer Ingwer vs. getrockneter Ingwer vs. Teebeutel

Der Wirkstoffgehalt variiert je nach Verarbeitungsform erheblich. Frisch aufgebrühter Ingwertee aus der Knolle enthält deutlich mehr Gingerole als handelsübliche Teebeutel. In Teebeuteln ist Ingwer meist getrocknet und gemahlen, der genaue Wirkstoffgehalt ist selten deklariert und von Produkt zu Produkt sehr unterschiedlich.

Ingwerscheiben ziehen in heißem Wasser für selbst gemachten Ingwertee
Je länger frische Ingwerscheiben ziehen, desto mehr Wirkstoffe gehen ins Wasser über. 10 bis 15 Minuten sind ein guter Richtwert.
Frisch schlägt Beutel: Studien zur Ingwerwirkung arbeiten überwiegend mit standardisierten Extrakten oder frischem Ingwer. Die Übertragbarkeit auf handelsübliche Teebeutel ist daher eingeschränkt. Wer die belegte Wirkung nutzen möchte, greift am besten zur frischen Knolle.

Was sagt die Forschung? Belegte Wirkungen von Ingwertee

Ingwer gehört zu den am besten untersuchten pflanzlichen Lebensmitteln und Heilpflanzen. Dennoch gilt auch hier: Viele Studien wurden mit standardisierten Extrakten durchgeführt, nicht mit Ingwertee als Getränk. Die Wirkstoffkonzentration in einer Tasse selbst gebrühtem Ingwertee ist deutlich geringer als in den meisten Studienpräparaten.

Übelkeit und Erbrechen

Dies ist der am besten belegte Anwendungsbereich von Ingwer. Mehrere klinische Studien und Meta-Analysen zeigen, dass Ingwer bei verschiedenen Formen von Übelkeit wirksam sein kann. Die European Medicines Agency (EMA) hat Ingwer als pflanzliches Arzneimittel zur Linderung von Übelkeit bei Reisekrankheit anerkannt. Auch bei schwangerschaftsbedingter Übelkeit zeigen Studien positive Effekte, wobei die EMA hier eine ärztliche Rücksprache empfiehlt.

Entzündungshemmende Wirkung

Gingerole und Shogaole hemmen in Laborstudien bestimmte Enzyme, die an Entzündungsprozessen beteiligt sind, darunter COX-1 und COX-2. Klinische Studien an Menschen zeigen erste vielversprechende Hinweise, zum Beispiel bei Muskelkater nach Sport und bei Kniearthrose. Die Effektgröße ist jedoch moderat, und die Studien sind methodisch unterschiedlich stark.

Verdauung und Magenbeschwerden

Studien deuten darauf hin, dass Ingwer die Magenentleerung unterstützen und Beschwerden wie Blähungen oder Völlegefühl lindern kann. Dieser Effekt ist in mehreren klinischen Studien belegt, wenngleich die Studienlage weniger eindeutig ist als beim Thema Übelkeit. Die EMA listet die Linderung von Magen-Darm-Beschwerden ebenfalls als traditionellen Anwendungsbereich.

Was nicht ausreichend belegt ist

Behauptung Wissenschaftliche Bewertung
Ingwertee hilft beim Abnehmen Nicht belegt, kein ausreichender Nachweis für relevante Gewichtsreduktion
Ingwer stärkt das Immunsystem Nicht belegt, kein zugelassener Health Claim gemäß EFSA
Ingwer entgiftet den Körper Nicht belegt, kein wissenschaftlicher Beleg für „Entgiftung“
Ingwer senkt den Blutzucker Erste Hinweise, Tierstudien und einzelne kleine Humanstudien, Evidenz nicht ausreichend
Ingwer wirkt gegen Erkältungen Plausibel, nicht abschließend belegt, antimikrobielle Wirkung in Laborstudien gezeigt, keine robusten Humanstudien
Übelkeit (Reisekrankheit, Schwangerschaft) Gut belegt, EMA-Anerkennung als pflanzliches Arzneimittel
Verdauungsbeschwerden lindern Belegt, EMA-Anerkennung für traditionelle Anwendung
Wichtige Einordnung: Die EMA bewertet Ingwer als pflanzliches Arzneimittel mit anerkannter traditioneller Anwendung bei Übelkeit und Verdauungsbeschwerden. Das bedeutet: ausreichend lange Tradition und Plausibilität, aber kein vollständiger klinischer Wirknachweis wie bei einem zugelassenen Arzneimittel.

Wann sollte man Ingwertee trinken?

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Morgens: zur Anregung der Verdauung

Einige Studien deuten darauf hin, dass Ingwer die Magenentleerung unterstützen kann und die Verdauung in Schwung bringen kann. Wer empfindlichen Magen hat, sollte frisch zubereiteten Ingwertee nicht zu konzentriert trinken und lieber erst nach dem Frühstück zum Glas greifen.

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Bei Übelkeit: frühzeitig und in kleinen Mengen

Bei Reisekrankheit oder Übelkeit empfiehlt sich Ingwertee in kleinen Schlucken, möglichst bevor die Übelkeit stark einsetzt. Die EMA empfiehlt für Erwachsene bis zu 1 g getrocknetes Ingwerpulver täglich bei Reisekrankheit.

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Bei Erkältung: als wärmendes Getränk

Ingwertee wird von vielen Menschen als wärmend empfunden und kann das Wohlbefinden bei Erkältungssymptomen verbessern. Ein klar belegter antiviraler Effekt existiert nicht, aber als wohltuendes Heißgetränk ist Ingwertee eine sinnvolle Wahl, gerne mit Zitrone und Honig.

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Abends: mit Bedacht

Ingwertee ist koffeinfrei und damit abends grundsätzlich geeignet. Bei sehr empfindlichem Magen oder Sodbrennen kann konzentrierter Ingwertee am Abend jedoch unangenehm sein. Eine milde, kurz gezogene Zubereitung ist dann die bessere Wahl.


Wie viel Ingwertee pro Tag ist sinnvoll?

Die European Medicines Agency empfiehlt als Tagesdosis für Erwachsene maximal 4 Gramm getrocknetes Ingwerpulver. Bei frischem Ingwer entspricht das etwa 20 bis 40 Gramm frischer Wurzel pro Tag. Eine normale Tasse Ingwertee aus 5 bis 10 Gramm frischem Ingwer liegt damit deutlich im sicheren Bereich.

Menge Entspricht etwa Bewertung
1–2 Tassen täglich (je 5–10 g frischer Ingwer) 0,5–1 g Trockengewicht Unbedenklich für gesunde Erwachsene
3–4 Tassen täglich 1,5–2 g Trockengewicht Im empfohlenen Bereich
Mehr als 4 g Trockengewicht täglich Sehr hohe Konzentration Obergrenze laut EMA, Wechselwirkungen möglich

Ingwertee selber machen: So holst du am meisten heraus

Selbst gemachter Ingwertee mit Zitrone und Honig in klarem Glas
Frischer Ingwertee mit Zitrone und Honig: Die einfachste und wirkstoffreichste Zubereitung.
1

Frische Knolle wählen

Frischer Ingwer enthält mehr Gingerole als getrockneter. Die Schale muss nicht unbedingt geschält werden, wenn die Knolle sauber gewaschen ist. Bio-Ingwer empfiehlt sich, wenn die Schale mitverwendet wird.

2

In Scheiben schneiden, nicht reiben

Feine Scheiben oder kleine Stücke geben mehr Oberfläche frei als geriebener Ingwer, ohne die Schärfe übermäßig zu konzentrieren. Für eine Tasse reichen 5 bis 10 Gramm, das entspricht etwa einem daumennagelgroßen Stück.

3

Mit heißem, nicht kochendem Wasser aufgießen

Wasser um die 90 bis 95 Grad Celsius schont die Wirkstoffe besser als sprudelnd kochendes Wasser. Den Ingwer anschließend 10 bis 15 Minuten ziehen lassen, für eine intensivere Wirkung auch länger.

4

Optional: Zitrone und Honig

Zitronensaft liefert Vitamin C und rundet den Geschmack ab. Honig süßt angenehm und wird häufig als geschmackliche Ergänzung verwendet. Beide erst nach dem Ziehen zugeben, damit Vitamin C und Honigenzyme nicht durch zu hohe Temperaturen beeinträchtigt werden.

💡 Teebeutel als Alternative

Wer keinen frischen Ingwer zur Hand hat, greift zum Teebeutel. Der Wirkstoffgehalt ist geringer und weniger standardisiert, als Alltagsgetränk und wärmendes Heißgetränk bei Erkältung ist ein guter Ingwer-Teebeutel aber durchaus sinnvoll.


Wer sollte vorsichtig sein?

Ingwertee gilt für gesunde Erwachsene als sicher. Bei einigen Personengruppen und in bestimmten Situationen ist jedoch Vorsicht geboten:

Personengruppe / Situation Empfehlung Grund
Schwangere Ärztliche Rücksprache EMA empfiehlt bei schwangerschaftsbedingter Übelkeit ärztliche Beratung; hohe Dosen nicht empfohlen
Einnahme von Blutverdünnern (z. B. Marcumar, ASS) Ärztliche Rücksprache Ingwer kann die Blutgerinnung beeinflussen und die Wirkung von Antikoagulantien verstärken
Gallensteinerkrankung Nicht empfohlen Ingwer regt die Gallenproduktion an, was bei Gallensteinen problematisch sein kann
Sodbrennen / Reflux Vorsicht bei hoher Konzentration Konzentrierter Ingwertee kann Magensäure anregen und Sodbrennen verstärken
Kinder unter 6 Jahren Nicht empfohlen Keine ausreichenden Sicherheitsdaten für Kleinkinder
Gesunde Erwachsene Bis 4 g täglich unbedenklich Laut EMA sicher in üblichen Mengen

Fazit

Ingwertee ist eines der am besten untersuchten pflanzlichen Getränke überhaupt. Die Wirkung gegen Übelkeit ist klinisch belegt und von der EMA anerkannt. Auch bei Verdauungsbeschwerden gibt es gute Evidenz. Viele weitere Versprechen, von Entgiftung bis Immunstärkung sind dagegen nicht ausreichend belegt.

Für gesunde Erwachsene gilt Ingwertee in üblichen Mengen als gut verträgliches Alltagsgetränk. Wer die Wirkung bestmöglich nutzen möchte, brüht ihn aus frischer Knolle auf. Bei Einnahme von Blutverdünnern oder in der Schwangerschaft ist eine ärztliche Rücksprache sinnvoll.

Das Wichtigste auf einen Blick

  1. Die wichtigsten Wirkstoffe in Ingwer sind Gingerole (frisch) und Shogaole (getrocknet/erhitzt), beide mit entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften.
  2. Gut belegt: Wirkung gegen Übelkeit bei Reisekrankheit und in der Schwangerschaft sowie bei Verdauungsbeschwerden.
  3. Nicht belegt: Abnehmen, Immunstärkung, Entgiftung.
  4. Frisch selbst gebrühter Ingwertee enthält deutlich mehr Wirkstoffe als Teebeutel.
  5. Bis zu 4 Gramm getrocknetes Ingwerpulver täglich gelten laut EMA als unbedenklich für Erwachsene.
  6. Bei Einnahme von Blutverdünnern oder Gallensteinerkrankung ist Vorsicht geboten.

Häufige Fragen

Ingwertee enthält Gingerole und Shogaole, die entzündungshemmend und antioxidativ wirken. Klinisch gut belegt ist die Wirkung gegen Übelkeit sowie die Förderung der Verdauung. Weitere behauptete Wirkungen wie Immunstärkung oder Entgiftung sind wissenschaftlich nicht ausreichend belegt.
Morgens regt Ingwertee die Verdauung an. Bei Übelkeit wirkt er am besten, wenn er frühzeitig getrunken wird. Bei Erkältung ist er als wärmendes Heißgetränk sinnvoll. Abends ist er koffeinfrei und daher grundsätzlich geeignet, bei empfindlichem Magen besser mild zubereiten.
Für gesunde Erwachsene gelten bis zu 4 Gramm getrocknetes Ingwerpulver täglich als unbedenklich. Bei selbst gebrühtem Tee aus frischem Ingwer entsprechen 2 bis 4 Tassen täglich (je ca. 5 bis 10 g frischer Ingwer) einem sicheren Bereich.
Einen klar belegten antiviralen Effekt gibt es nicht. Ingwertee wärmt, regt die Durchblutung an und kann das Wohlbefinden bei Erkältungssymptomen verbessern. Als wohltuendes Heißgetränk ist er bei Erkältung eine sinnvolle Wahl, kein Allheilmittel, aber auch kein Placebo.
Studien zeigen, dass Ingwer bei schwangerschaftsbedingter Übelkeit helfen kann. Die EMA empfiehlt jedoch eine ärztliche Rücksprache, bevor Schwangere Ingwerpräparate oder größere Mengen Ingwertee einnehmen. In geringen Mengen als Alltagsgetränk gilt er meist als unbedenklich, im Zweifelsfall Arzt fragen.
Ingwer kann die Blutgerinnung beeinflussen. Wer Blutverdünner wie Marcumar, Warfarin oder ASS einnimmt, sollte vor dem regelmäßigen Konsum größerer Ingwermengen seinen Arzt informieren. Auch bei Gallensteinerkrankung ist Vorsicht geboten.
Ja, in der Regel. Frisch aufgebrühter Ingwertee aus der Knolle enthält mehr Gingerole als handelsübliche Teebeutel. Der Wirkstoffgehalt von Teebeuteln ist selten deklariert und variiert stark. Als Alltagsgetränk sind Teebeutel praktisch und sinnvoll, für gezielte Wirkung ist frischer Ingwer die bessere Wahl.
Nein, nicht in einem relevanten Ausmaß. Es gibt keine belastbaren klinischen Studien, die eine bedeutsame Gewichtsreduktion durch Ingwertee belegen. Als kalorienfreies Getränk ist Ingwertee jedoch eine sinnvolle Alternative zu gesüßten Getränken.

Bewusst genießen, jeden Tag

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Jetzt entdecken →
Quellen European Medicines Agency (EMA, 2012): Assessment report on Zingiber officinale Roscoe, rhizoma. EMA/HMPC/577856/2010 — ema.europa.eu
Lete I, Allué J (2016): The Effectiveness of Ginger in the Prevention of Nausea and Vomiting during Pregnancy and Chemotherapy. Integrative Medicine Insights 11:11–17 — ncbi.nlm.nih.gov
Bartels EM et al. (2015): Efficacy and safety of ginger in osteoarthritis patients: a meta-analysis of randomized placebo-controlled trials. Osteoarthritis and Cartilage 23(1):13–21 — sciencedirect.com
Black CD et al. (2010): Ginger (Zingiber officinale) Reduces Muscle Pain Caused by Eccentric Exercise. Journal of Pain 11(9):894–903 — jpain.org
Mao QQ et al. (2019): Bioactive Compounds and Bioactivities of Ginger. Foods 8(6):185 — mdpi.com
Bundesinstitut für Risikobewertung (BfR): Ingwer als Lebensmittel und Nahrungsergänzungsmittel — bfr.bund.de
Mashhadi NS et al. (2013): Anti-Oxidative and Anti-Inflammatory Effects of Ginger in Health and Physical Activity. International Journal of Preventive Medicine 4(Suppl 1):S36–S42 — ncbi.nlm.nih.gov

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